An der Wand steht “Scheiß Leben ist Kampf.“
Im Minimalismus geht es darum den Punkt zu erreichen in dem nichts mehr überflüssig ist.
Amy Hempel sagt “ich fühlte mich mein Leben lang wie ein abgetrennter Kopf der noch einen Satz zu sagen hatte“
Auf langen Wanderungen vermindert sich die Wahrnehmung zunehmend auf den „Ist“ Zustand, bis irgendwann kein „Soll“ Zustand mehr existiert.
Jens sagt “Bier!“
Perfektion ist nicht der Zustand an dem einer Sache nichts mehr hinzuzufügen ist.
Jens sagt “Nackt.“
Perfektion ist der Zustand in dem nichts mehr entfernt werden kann.
Als ich Nachts um drei in Pisa an den schiefen Turm pinkeln wollte hat mich ein Polizist davon abgehalten.
Die Kachel über dem Pissoir sagt “Man muss mittelmäßig sein um der Masse zu gefallen“
Ich wollte an alle bedeutenden Bauwerke Europas pinkeln und ein Buch darüber schreiben. Wie dieser Prinz aus Hannover.
Und die Kachel etwas tiefer sagt “Jeder ist sein Glückes Schmied aber nicht jeder hat ein schmuckes Glied“
In der Formalität das Minimalismus ist alles bis hier unnütz. Reduziert auf die reine Funktion oder die philosophische Perfektion bleibt nur eine Aussage:
Wir Leben immer noch.
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Mitu
Aus der Dunkelheit greifen Schatten verstohlen ins Licht. Zerfetzte Strahlen aus Sonnenlicht liegen bar und matt zwischen den Baeumen und kriechen unter dem Nebel hervor. Aus den Wolken legt sich eine dumpfe Feuchtigkeit auf Lunge und Haut, findet einen Weg unter die Kleidung und vermengt sich mit Schweiss. Die Haare kleben wie schleim am Kopf und mit jedem Schritt gibt der Boden eine Winzigkeit nach. Nachts in den einfachen Holzverschlaegen laufen Maeuse ueber mein Gesicht waehrend irgendjemand schnarcht. Morgens liegt kalter Rauch und ein eisiges Schweigen in der Luft. Der Wald wirkt tot.
Es gibt eine Installation irgendwo in einem Museum, bestehend aus einem Stuhl auf den ein Gewehrlauf gerichtet ist. Mit einer Wahrscheinlichkeit die genau einem Schuss in 80 Jahren entspricht wird ueber einen Zufallsgenerator der Abzug der Waffe ausgeloest. Besucher des Museums koennen sich auf eigene Gefahr auf diesen Stuhl setzen.
Am Springer Mountain sitzt ‚Many Sleeps’ und zaehlt die Wanderer, notiert die Namen, fasselt Unsinn daher und wird auch noch dafuer bezahlt. Dieses Jahr hat er schon mehr als doppelt so viele Gezaehlt wie sonst. Finanzkrise ist ueberall und hier auf dem AT spuere ich sie zum ersten mal am eigenen Leib. Der Weg ist ueberfuellt mit Sinnsuchenden Einfaltspinseln die gerade ihren Job verloren haben. Die meisten Menschen die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe sind aussergewoehnlich einfaeltig und fantasielos, dabei aber unglaublich sozial, das ist sonst immer andersrum.
Im Hiawassee Inn sitzen wir einen Tag lang einen Schneesturm aus. Solo hat seinen Job in Michigan verloren.
Du kannst ihn schmieden oder kalt verbiegen. Stahl ist fuer alles gut. Ich habe eine Maschine bedient die Teile fuer Autokarosserien hergestellt hat. Ich bin noch nie vorher gewandert, aber ich will diesen Weg gehen, danach wird alles besser. Meine Frau und die Kinder sagen ich waere verrueckt, aber ich muss das machen.
Solo erinnert mich an Forrest Gump.
Um 14 Uhr fange ich an mit Josh aus Austin Bier zu trinken und Championsleague MaNu gegen Porto auf ESPN anzusehen. Spaeter machen wir im Schneesturm ein Barbeque mit dem Holzkohlegrill des Motel Besitzers. Es friert. Einige der anderen Hiker verlassen kurz ihre warmen Zimmer um ein Foto von uns zu machen.Solo stoesst immer wieder an.
Peace to the world.
And Hail to the Bitches.
Ergaenzt Hatchet.
Jeff aus Chikago nennt sich Bluegrass, ist Anwalt, arbeitslos und Millionaer.
I’m a lawyer, I’m rich, suck my dick Bitch!
Ergaenzt Hatchet.
Hatchet ist Barkeeper aus NY, heisst eigentlich Sean und traegt tatsaechlich eine Axt an seinem Rucksack. Fuer Feuerholz. Zwei Flaschen Portwein und eine Flasche Rotwein sind vielleicht eine Begruendung fuer sein Verhalten, vielleicht aber auch einfach das er New Yorker ist.
Hatchet hoert am naechsten Morgen auf zu Wandern.
Schwer angetrunken will Solo wissen was beautifull auf Deutsch heisst.
Arschficken.
Aechfeeckan?
Arschficken.
Aeschfecken?
Yep. You got it.
Am naechsten Tag scheint die Sonne, Solo schliesst in einer sehr langen Pause zu mir auf. Der Schnee reflektiert die Sonne, der erste Punkt der Wanderung mit ein wenig kuemmerlicher Aussicht. Solo strahlt mich an, breitet die Arme aus und sagt.
Aeschfecken, Lars, Aeschfecken.
Ich fange an mich zu langweilen.
Der Weg kreuzt immer wieder Strassen, an einer dieser Strassen steht Smurf aus Tenesse mit seinem Truck und macht Hamburger und Hot Dogs auf seinem gigantischen Gasgrill. Auf der Ladeflaeche stehen drei riesige Kuehlboxen mit Bier und Cola. Smurf bezeichnet sich selbst als Redneck, ist den Trail teilweise gewandert und versorgt alle Wanderer die vorbeikommen Gratis mit Bier und Fleisch. Sie nennen das Trail Magic.
Besonders an Wochenenden und Feiertagen trifft man immer wieder auf solche Leute, als waere dieser Weg eine eigene Sozialkultur. Wer gespuert hat wie wichtig diese Hilfe ist der gibt zurueck. Wie ein funktionierender Sozialstaat ohne Staat, das was die USA immer sein wollten und nicht konnten.
Ein paar tage spaeter geht Stewball vor mir Bergauf. Stewball geht den Trail bereits zum zweiten mal und traegt nur halb so viel Gewicht wie ich, also etwa 14kg. Ein Klugscheisser. Er will ein Spiel. Ich soll 3 Geschichten erzaehlen von denen 2 Wahr sind, eine gelogen.
Im Jahr 2010, dem 20. April, werde ich von Ausserirdischen entfuehrt. Sie saugen mein Gehirn aus und ersetzen es durch das eines Typen der sich Stewball nennt. Dann schicken sie mich genau ein Jahr in die Vergangenheit in einen Wald, dabei wird mein Penis verschrumpelt und genau hinter mir geht ein Typ ohne Gehirn und gibt mir auf meine eloquent formulierte Frage eine daemliche Antwort. Wir sind alle Eins Stewball. Brainjam. In Germany we call this situation Aeschfecken.
Stewball hat kein Interesse an den beiden anderen Geschichten. Ich verdoppele mein Tempo. Manchmal bin ich so unglaubliche gerne einfach fuer mich. Allein. Ein Luxus der hier auf dem AT kaum zu haben ist.
Josh, neben mir der einzige der sich konsequent gegen einen Trailnamen verweigert (was soll dieser Scheiss, ich habe einen Namen, ich mag mich, ich brauche hier keine verfickte Parallelexistenz) und Bluegrass trinken noch einmal gewaltig viel Bier mit mir und fahren dann nach Hause.
Ich stehe unter der Dusche in irgendeinem Motel. Am Duschkopf kann man den Strahl einstellen. Ich habe unglaubliche Angst vor einem Haarfeinen Strahl der meinen Koerper zerteilt. Der Anblick im Spiegel wuerde mich bestimmt erbrechen lassen.
Die meisten Menschen wirken erleichtert wenn sie wieder von dem Stuhl aufstehen. Vom Moment unserer Geburt an sitzen wir auf diesem Stuhl. Wir koennen die Waffe nicht sehen, die Wahrscheinlichkeit ist anders verteilt, aber das ist marginal. Nur ein Unterschied ist wirklich entscheidend. Wir koennen nicht Aufstehen und weg gehen.
Die letzten Tage bin ich jeweils 35 bis 45 km mit 2000 Hoehenmetern gewandert. Habe mir ausgerechnet das man die 2000 Meilen in 3 Monaten schaffen koennte. Aber es erscheint mir zunehmend sinnlos, wie Zeitverschwendung. Tote Zeit.
Es gibt eine Installation irgendwo in einem Museum, bestehend aus einem Stuhl auf den ein Gewehrlauf gerichtet ist. Mit einer Wahrscheinlichkeit die genau einem Schuss in 80 Jahren entspricht wird ueber einen Zufallsgenerator der Abzug der Waffe ausgeloest. Besucher des Museums koennen sich auf eigene Gefahr auf diesen Stuhl setzen.
Am Springer Mountain sitzt ‚Many Sleeps’ und zaehlt die Wanderer, notiert die Namen, fasselt Unsinn daher und wird auch noch dafuer bezahlt. Dieses Jahr hat er schon mehr als doppelt so viele Gezaehlt wie sonst. Finanzkrise ist ueberall und hier auf dem AT spuere ich sie zum ersten mal am eigenen Leib. Der Weg ist ueberfuellt mit Sinnsuchenden Einfaltspinseln die gerade ihren Job verloren haben. Die meisten Menschen die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe sind aussergewoehnlich einfaeltig und fantasielos, dabei aber unglaublich sozial, das ist sonst immer andersrum.
Im Hiawassee Inn sitzen wir einen Tag lang einen Schneesturm aus. Solo hat seinen Job in Michigan verloren.
Du kannst ihn schmieden oder kalt verbiegen. Stahl ist fuer alles gut. Ich habe eine Maschine bedient die Teile fuer Autokarosserien hergestellt hat. Ich bin noch nie vorher gewandert, aber ich will diesen Weg gehen, danach wird alles besser. Meine Frau und die Kinder sagen ich waere verrueckt, aber ich muss das machen.
Solo erinnert mich an Forrest Gump.
Um 14 Uhr fange ich an mit Josh aus Austin Bier zu trinken und Championsleague MaNu gegen Porto auf ESPN anzusehen. Spaeter machen wir im Schneesturm ein Barbeque mit dem Holzkohlegrill des Motel Besitzers. Es friert. Einige der anderen Hiker verlassen kurz ihre warmen Zimmer um ein Foto von uns zu machen.Solo stoesst immer wieder an.
Peace to the world.
And Hail to the Bitches.
Ergaenzt Hatchet.
Jeff aus Chikago nennt sich Bluegrass, ist Anwalt, arbeitslos und Millionaer.
I’m a lawyer, I’m rich, suck my dick Bitch!
Ergaenzt Hatchet.
Hatchet ist Barkeeper aus NY, heisst eigentlich Sean und traegt tatsaechlich eine Axt an seinem Rucksack. Fuer Feuerholz. Zwei Flaschen Portwein und eine Flasche Rotwein sind vielleicht eine Begruendung fuer sein Verhalten, vielleicht aber auch einfach das er New Yorker ist.
Hatchet hoert am naechsten Morgen auf zu Wandern.
Schwer angetrunken will Solo wissen was beautifull auf Deutsch heisst.
Arschficken.
Aechfeeckan?
Arschficken.
Aeschfecken?
Yep. You got it.
Am naechsten Tag scheint die Sonne, Solo schliesst in einer sehr langen Pause zu mir auf. Der Schnee reflektiert die Sonne, der erste Punkt der Wanderung mit ein wenig kuemmerlicher Aussicht. Solo strahlt mich an, breitet die Arme aus und sagt.
Aeschfecken, Lars, Aeschfecken.
Ich fange an mich zu langweilen.
Der Weg kreuzt immer wieder Strassen, an einer dieser Strassen steht Smurf aus Tenesse mit seinem Truck und macht Hamburger und Hot Dogs auf seinem gigantischen Gasgrill. Auf der Ladeflaeche stehen drei riesige Kuehlboxen mit Bier und Cola. Smurf bezeichnet sich selbst als Redneck, ist den Trail teilweise gewandert und versorgt alle Wanderer die vorbeikommen Gratis mit Bier und Fleisch. Sie nennen das Trail Magic.
Besonders an Wochenenden und Feiertagen trifft man immer wieder auf solche Leute, als waere dieser Weg eine eigene Sozialkultur. Wer gespuert hat wie wichtig diese Hilfe ist der gibt zurueck. Wie ein funktionierender Sozialstaat ohne Staat, das was die USA immer sein wollten und nicht konnten.
Ein paar tage spaeter geht Stewball vor mir Bergauf. Stewball geht den Trail bereits zum zweiten mal und traegt nur halb so viel Gewicht wie ich, also etwa 14kg. Ein Klugscheisser. Er will ein Spiel. Ich soll 3 Geschichten erzaehlen von denen 2 Wahr sind, eine gelogen.
Im Jahr 2010, dem 20. April, werde ich von Ausserirdischen entfuehrt. Sie saugen mein Gehirn aus und ersetzen es durch das eines Typen der sich Stewball nennt. Dann schicken sie mich genau ein Jahr in die Vergangenheit in einen Wald, dabei wird mein Penis verschrumpelt und genau hinter mir geht ein Typ ohne Gehirn und gibt mir auf meine eloquent formulierte Frage eine daemliche Antwort. Wir sind alle Eins Stewball. Brainjam. In Germany we call this situation Aeschfecken.
Stewball hat kein Interesse an den beiden anderen Geschichten. Ich verdoppele mein Tempo. Manchmal bin ich so unglaubliche gerne einfach fuer mich. Allein. Ein Luxus der hier auf dem AT kaum zu haben ist.
Josh, neben mir der einzige der sich konsequent gegen einen Trailnamen verweigert (was soll dieser Scheiss, ich habe einen Namen, ich mag mich, ich brauche hier keine verfickte Parallelexistenz) und Bluegrass trinken noch einmal gewaltig viel Bier mit mir und fahren dann nach Hause.
Ich stehe unter der Dusche in irgendeinem Motel. Am Duschkopf kann man den Strahl einstellen. Ich habe unglaubliche Angst vor einem Haarfeinen Strahl der meinen Koerper zerteilt. Der Anblick im Spiegel wuerde mich bestimmt erbrechen lassen.
Die meisten Menschen wirken erleichtert wenn sie wieder von dem Stuhl aufstehen. Vom Moment unserer Geburt an sitzen wir auf diesem Stuhl. Wir koennen die Waffe nicht sehen, die Wahrscheinlichkeit ist anders verteilt, aber das ist marginal. Nur ein Unterschied ist wirklich entscheidend. Wir koennen nicht Aufstehen und weg gehen.
Die letzten Tage bin ich jeweils 35 bis 45 km mit 2000 Hoehenmetern gewandert. Habe mir ausgerechnet das man die 2000 Meilen in 3 Monaten schaffen koennte. Aber es erscheint mir zunehmend sinnlos, wie Zeitverschwendung. Tote Zeit.
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