Sonntag, 15. November 2009

Sie haben alle zu viel Zeit. Sie glauben, dass sie 1000 Jahre alt werden. Darum warten sie. Doch auf was wartet ihr? Warum sagt ihr Nein? Wenn ein Ja eure Zeit versüßen würde. Glaubt ihr wirklich, das euer warten das Leben besser macht? Auf was wartet ihr? Wartet ihr noch länger, werdet ihr alt und faltig, dann gibt es nichts mehr, worauf ihr noch warten könnt. Außer auf den Tod. Wartet ihr jetzt schon auf ihn, damit ihr nicht leben müsst. So lasst ihr eure Zeit verstreichen, tatenlos, lebenslos, liebeslos…
Wenn jemand zur Tat schreitet, bekommt ihr Angst. Doch wovor? Habt ihr Angst vor dem Leben, vor dem, wovon ihr so viel redet? Redet ihr deswegen so viel davon, weil ihr in eurem Herzen wisst, dass ihr nicht lebt sondern nur wartet? Lasst ihr Euch deswegen so gerne die Tür zum Leben zeigen, damit ihr sie nicht durchschreitet um Euch selbst weh zu tun, weil ihr dann jeden Tag aufs neue fühlt, wie leblos ihr seid? Badet ihr in Eurem Schmerz, nie gelebt zu haben? Tut euch das gut? Ich werde jedenfalls nicht mehr warten. Ich werde leben, auch ohne Euch. Denn ich weiß, dass meine Zeit begrenzt ist. Ich verschwende sie nicht länger an Euch Scheintote. Denn ihr seid tot…
Ich gehe jetzt biken. Das ist Leben, wovon ihr nichts wisst. Gebrochene Knochen sind mir lieber als ein gebrochenes Herz. Der Wald und seine Wurzeln werden mir geben, was ich will. Denn ihr könnt es nicht. Der Wald kann es. Er liebt mich. Der Wald hat jene Kraft, die ihr nicht habt. Der Wald hat den Mut, mir zu geben, was ich will. Doch ihr seid dafür zu feige. Denn die Regentropfen warten auf mich. Darum vertraue ich ihnen… den Regentropfen... sie werden stets für mich da sein.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Sterben

An der Wand steht “Scheiß Leben ist Kampf.“
Im Minimalismus geht es darum den Punkt zu erreichen in dem nichts mehr überflüssig ist.
Amy Hempel sagt “ich fühlte mich mein Leben lang wie ein abgetrennter Kopf der noch einen Satz zu sagen hatte“

Auf langen Wanderungen vermindert sich die Wahrnehmung zunehmend auf den „Ist“ Zustand, bis irgendwann kein „Soll“ Zustand mehr existiert.
Jens sagt “Bier!“
Perfektion ist nicht der Zustand an dem einer Sache nichts mehr hinzuzufügen ist.
Jens sagt “Nackt.“
Perfektion ist der Zustand in dem nichts mehr entfernt werden kann.

Als ich Nachts um drei in Pisa an den schiefen Turm pinkeln wollte hat mich ein Polizist davon abgehalten.
Die Kachel über dem Pissoir sagt “Man muss mittelmäßig sein um der Masse zu gefallen“
Ich wollte an alle bedeutenden Bauwerke Europas pinkeln und ein Buch darüber schreiben. Wie dieser Prinz aus Hannover.
Und die Kachel etwas tiefer sagt “Jeder ist sein Glückes Schmied aber nicht jeder hat ein schmuckes Glied“

In der Formalität das Minimalismus ist alles bis hier unnütz. Reduziert auf die reine Funktion oder die philosophische Perfektion bleibt nur eine Aussage:

Wir Leben immer noch.

Mitu

Aus der Dunkelheit greifen Schatten verstohlen ins Licht. Zerfetzte Strahlen aus Sonnenlicht liegen bar und matt zwischen den Baeumen und kriechen unter dem Nebel hervor. Aus den Wolken legt sich eine dumpfe Feuchtigkeit auf Lunge und Haut, findet einen Weg unter die Kleidung und vermengt sich mit Schweiss. Die Haare kleben wie schleim am Kopf und mit jedem Schritt gibt der Boden eine Winzigkeit nach. Nachts in den einfachen Holzverschlaegen laufen Maeuse ueber mein Gesicht waehrend irgendjemand schnarcht. Morgens liegt kalter Rauch und ein eisiges Schweigen in der Luft. Der Wald wirkt tot.

Es gibt eine Installation irgendwo in einem Museum, bestehend aus einem Stuhl auf den ein Gewehrlauf gerichtet ist. Mit einer Wahrscheinlichkeit die genau einem Schuss in 80 Jahren entspricht wird ueber einen Zufallsgenerator der Abzug der Waffe ausgeloest. Besucher des Museums koennen sich auf eigene Gefahr auf diesen Stuhl setzen.

Am Springer Mountain sitzt ‚Many Sleeps’ und zaehlt die Wanderer, notiert die Namen, fasselt Unsinn daher und wird auch noch dafuer bezahlt. Dieses Jahr hat er schon mehr als doppelt so viele Gezaehlt wie sonst. Finanzkrise ist ueberall und hier auf dem AT spuere ich sie zum ersten mal am eigenen Leib. Der Weg ist ueberfuellt mit Sinnsuchenden Einfaltspinseln die gerade ihren Job verloren haben. Die meisten Menschen die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe sind aussergewoehnlich einfaeltig und fantasielos, dabei aber unglaublich sozial, das ist sonst immer andersrum.
Im Hiawassee Inn sitzen wir einen Tag lang einen Schneesturm aus. Solo hat seinen Job in Michigan verloren.
Du kannst ihn schmieden oder kalt verbiegen. Stahl ist fuer alles gut. Ich habe eine Maschine bedient die Teile fuer Autokarosserien hergestellt hat. Ich bin noch nie vorher gewandert, aber ich will diesen Weg gehen, danach wird alles besser. Meine Frau und die Kinder sagen ich waere verrueckt, aber ich muss das machen.
Solo erinnert mich an Forrest Gump.
Um 14 Uhr fange ich an mit Josh aus Austin Bier zu trinken und Championsleague MaNu gegen Porto auf ESPN anzusehen. Spaeter machen wir im Schneesturm ein Barbeque mit dem Holzkohlegrill des Motel Besitzers. Es friert. Einige der anderen Hiker verlassen kurz ihre warmen Zimmer um ein Foto von uns zu machen.Solo stoesst immer wieder an.
Peace to the world.
And Hail to the Bitches.
Ergaenzt Hatchet.
Jeff aus Chikago nennt sich Bluegrass, ist Anwalt, arbeitslos und Millionaer.
I’m a lawyer, I’m rich, suck my dick Bitch!
Ergaenzt Hatchet.
Hatchet ist Barkeeper aus NY, heisst eigentlich Sean und traegt tatsaechlich eine Axt an seinem Rucksack. Fuer Feuerholz. Zwei Flaschen Portwein und eine Flasche Rotwein sind vielleicht eine Begruendung fuer sein Verhalten, vielleicht aber auch einfach das er New Yorker ist.
Hatchet hoert am naechsten Morgen auf zu Wandern.
Schwer angetrunken will Solo wissen was beautifull auf Deutsch heisst.
Arschficken.
Aechfeeckan?
Arschficken.
Aeschfecken?
Yep. You got it.
Am naechsten Tag scheint die Sonne, Solo schliesst in einer sehr langen Pause zu mir auf. Der Schnee reflektiert die Sonne, der erste Punkt der Wanderung mit ein wenig kuemmerlicher Aussicht. Solo strahlt mich an, breitet die Arme aus und sagt.
Aeschfecken, Lars, Aeschfecken.
Ich fange an mich zu langweilen.

Der Weg kreuzt immer wieder Strassen, an einer dieser Strassen steht Smurf aus Tenesse mit seinem Truck und macht Hamburger und Hot Dogs auf seinem gigantischen Gasgrill. Auf der Ladeflaeche stehen drei riesige Kuehlboxen mit Bier und Cola. Smurf bezeichnet sich selbst als Redneck, ist den Trail teilweise gewandert und versorgt alle Wanderer die vorbeikommen Gratis mit Bier und Fleisch. Sie nennen das Trail Magic.
Besonders an Wochenenden und Feiertagen trifft man immer wieder auf solche Leute, als waere dieser Weg eine eigene Sozialkultur. Wer gespuert hat wie wichtig diese Hilfe ist der gibt zurueck. Wie ein funktionierender Sozialstaat ohne Staat, das was die USA immer sein wollten und nicht konnten.
Ein paar tage spaeter geht Stewball vor mir Bergauf. Stewball geht den Trail bereits zum zweiten mal und traegt nur halb so viel Gewicht wie ich, also etwa 14kg. Ein Klugscheisser. Er will ein Spiel. Ich soll 3 Geschichten erzaehlen von denen 2 Wahr sind, eine gelogen.
Im Jahr 2010, dem 20. April, werde ich von Ausserirdischen entfuehrt. Sie saugen mein Gehirn aus und ersetzen es durch das eines Typen der sich Stewball nennt. Dann schicken sie mich genau ein Jahr in die Vergangenheit in einen Wald, dabei wird mein Penis verschrumpelt und genau hinter mir geht ein Typ ohne Gehirn und gibt mir auf meine eloquent formulierte Frage eine daemliche Antwort. Wir sind alle Eins Stewball. Brainjam. In Germany we call this situation Aeschfecken.
Stewball hat kein Interesse an den beiden anderen Geschichten. Ich verdoppele mein Tempo. Manchmal bin ich so unglaubliche gerne einfach fuer mich. Allein. Ein Luxus der hier auf dem AT kaum zu haben ist.
Josh, neben mir der einzige der sich konsequent gegen einen Trailnamen verweigert (was soll dieser Scheiss, ich habe einen Namen, ich mag mich, ich brauche hier keine verfickte Parallelexistenz) und Bluegrass trinken noch einmal gewaltig viel Bier mit mir und fahren dann nach Hause.
Ich stehe unter der Dusche in irgendeinem Motel. Am Duschkopf kann man den Strahl einstellen. Ich habe unglaubliche Angst vor einem Haarfeinen Strahl der meinen Koerper zerteilt. Der Anblick im Spiegel wuerde mich bestimmt erbrechen lassen.

Die meisten Menschen wirken erleichtert wenn sie wieder von dem Stuhl aufstehen. Vom Moment unserer Geburt an sitzen wir auf diesem Stuhl. Wir koennen die Waffe nicht sehen, die Wahrscheinlichkeit ist anders verteilt, aber das ist marginal. Nur ein Unterschied ist wirklich entscheidend. Wir koennen nicht Aufstehen und weg gehen.

Die letzten Tage bin ich jeweils 35 bis 45 km mit 2000 Hoehenmetern gewandert. Habe mir ausgerechnet das man die 2000 Meilen in 3 Monaten schaffen koennte. Aber es erscheint mir zunehmend sinnlos, wie Zeitverschwendung. Tote Zeit.

Dienstag, 29. September 2009

gnulf

So bitter die nacht so süss der tag. Stakato artig wiederholt. Umnachtet. Dieser düstere korridor den wir wandeln, der für sekunden von gleißendem licht erfüllt wird, nur, nur damit wir auch wirklich merken wie scheiß dunkel dieser weg ist. So bitter die nacht so süß der tag. Weil i di mag.
Manchmal erschreckt dich deine eigene courage, manchmal erschreckt dich dein dunkler blick. Dieses auge, ein auge auf das die kamera zufährt zur großaufahme. Tausendneunhundertfündundvierzig mal tausendundvierzig pixel. Ein auge in dem sich ein wassertropfen spiegelt, ein wassertropfen der da dumpf in der luft hängt und dann fährt diese kamera in rasend schnell um diesen tropfen herum, bleibt stehen, untermal von einem tiefen hammerschlag von einem bass der da aus thx zertifizierten boxen donnert und in diesem wassertropfen spiegelt sich das bild das deinen blick so verdunkelt. Ein kind zu deinen füssen, zertreten, zerschmettert, alles ohne blut weil der film die fsk freigabe braucht um sein break even schon am ersten wochenende zu erreichen, weil diese welt keinen platz mehr hat für mehr, weil unser kollektives gedächtniss immer nur bis zum letzten wochende reicht und das kind ist zertreten von deiner scheiß ignoranz, deiner scheiß schnellebigkeit, deiner vergorenen liebe, diesem maischebrei aus erziehungstips von fünfmilliarden büchern, tv shows, zeitschriften, bekannten. Nur nicht von dir. Du bist die vollkommene leere und die kamera fährt zurüch auf dein auge und da ist nur ein tiefes, ruhiges blau.

Mehr nicht.

Montag, 21. September 2009

antiparty

jener sonnabend nachmittag gestaltete sich als ausserordentlich niederschmetternd. Ich hatte nach längere abstinenz einmal wieder meine eigenen vier wände afgesucht, nachdem ich meine pflegekatzen mit ausreichend nahrung versorgt hatte. nun saß ich in meinem sessel und wollte die wohnung aufräumen. ich räumte alles beiseite, was in greifbarer nähe des sessels stand. Zum aufstehen war ich zu faul. den plan aufzuräumen, verwarf ich alsbald wieder. schließlich war es meine wohnung und ich durfte sie ruhig in ihrem desolaten zustand belassen, wenn mir der sinn danach stand. und nach etwas anderem stand er mir nicht.
am abend war ich zu einer party eingeladen zu der ich keine motivaton empfand. Keine aufregung, keine vorfreude, nichts. Ich sollte daheim bleiben und ein buch lesen. Warum sollte ich dort hingehen? Was würde die anderen gäste von meiner anwesenheit haben? Nichts! Vermutlich würde ich ihnen lediglich auf die nerven gehen, ich hatte ohnehin keine lst auf leute, wenn in dieser stimmung noch geringfügige mengen alkohol dazu kämen, würde ich einen sehr miegelaunten gast abgeben. und so kam es auch…
wir verabredeten uns mit lara und dr. klein, bei eben jenem doktor uns zu dritt zum vorglühen einzufinden. Die stimmung relaxt, nahezu gut. Lara hatte einen abscheulichen billigwein mitgebracht, den ich mit ihr trank und den seltsamen geschmack mit billigem bier hiunterspülte. Zwei stunden später brachen wir auf. In einem supermarkt, wo noch die notwendigen mitbringsel erworben werden sollten, machte lara bereits den eindruck, in sich zusammen zu fallen wie ein nassgewordernes papierschiffchen. sie ließ sich nach hause bringen und verzichtete auf die party. sie tat gut daran.
das ich noch mit fuhr lag wohl einzig und alleine daran, das ich ohnehin schon in dr. kleins auto saß und wenn ich schon dabei bin, naja, dann fahre ich halt mit.
die gastgeberin freute sich (zu früh) sehr über unser erscheinen. es gab nudelsalat, undefinierbare fleischlößchen und andere partytypischen lebensmittel in großen mengen. mir war von laras wein ohnehin schon übel, also aß ich einiges von dem kunstvoll dargebrachten.
Später am abend verfiel ich eine diskussion mit einer dürftig bekannten, die unbedingt schon früher mit mir mal über was auch immer philosophieren wollte. sie arbeitete als altenpflegerin und hatte massive probleme damit zu verstehen, das nur weil sie älteren menschen die treppe hinaufhalf oder ihnen das essen ans bett brachte, das diese menschen für die geschchte des universums ebenso überflüssig waren wie sie und ich auch. sie regte sich fürchterlich über meine äusserungen auf, was mich dazu veranlasste, sie ein wenig zu provozieren. es ist doch immer wieder herrlich zu beobachten, wie unfähig die meisten menschen sind, die sinnlosigkeit ihrer existenz einzusehen.
als ich später irgendeine teure figur aus dem regal des freundes der gastgeberin stieß (es war tatsächlich ein unfall), reagierte dieser ziemlich aufgebracht, da irgendetwas von irgendeiner figur abgebrochen war. ich erklärte ihm, das ich ihm mit hilfe meiner versicherung zu einem schadenersatz verhelfen werde. das lehnte er ab und warf mich kurze zeit später hinaus… verstanbden habe ich das alles nicht. wo gehobelt wird, da fallen nunmal späne und wenn sich 12 leute auf 10 m² tummeln, können diese späne ziemlich groß werden, es sei denn, der gastgeber wäre so schlau gewesen, seine edelhölzer vorher zu sichern…
ich ging fröhlich durch die nacht nach hause, verspeiste auf dem ein paar cheeseburger und war zufrieden. das erste mal an diesem abend, denn eine nachtwanderung ist ohnehin durch nichts zu toppen. abgesehen von der tatsache, das ich bekleidet war. ich befand mich mitten in einer stadt und wollte weiterem ärger aus dem wege gehen…

Samstag, 19. September 2009

IPod

Während er tief schlief ging sie leise in die Küche und nahm eines der Fleischmesser. Ihre Kollegin hatte aus versehen ihre Ipod’s verwechselt.
Er begann ihr Geschichten aus Büchern auf ihren Ipod zu sprechen. Geschichten von David Foster Wallace, von Jorge Luis Borges, von David Sedaris. Ohne ihr etwas zu sagen. Er stand spät in der Nacht auf, besprach ihren Player und wenn sie am nächsten Tag in der Bahn saß war da nur diese eine Geschichte die sie hören konnte. Es blieb ein wortloses Ritual. Nie sprach einer der beiden seine nächtlichen Aufnahmen an.
Später begann er die Geschichten selber zu erfinden. Nie länger als 30 Minuten, die Dauer von genau zwei Bahnfahrten, Hin und Zurück. Und nie sprach sie darüber. Im laufe der Zeit wurden seine Geschichten immer trauriger, immer persönlicher. Er begann sie indirekt zu kritisieren, später zu beschimpfen. Er wurde immer ausfallender, schlug mit Worten auf sie ein. Kein Wort aber von ihr.
Natürlich wusste er dass sie die Kopfhörer nur trug um nicht von fremden angesprochen zu werden, um nicht immer wieder und umständlich ihre Taubheit erklären zu müssen.
Und sie schnitt ihm die Halsschlagader durch. Als das Blut am nächsten Morgen geronnen auf dem Laken lag war da keine Geschichte mehr, nicht mal eine Erklärung, nur das leere Rauschen aus magnetischen Störungen und schon früh am Morgen hatte man das Gefühl die Sonne würde untergehen.

Weil jeder diese Scheiß Ipod's besitzt.

Samstag, 5. September 2009

monstergrillen

das wetter hatte sich spontan dem grillen zugeneigt. es könnte das letzte mal in diesem sommer sein, wo man nachts um eins nackt würde im wald sitzen und würstchen essen können. es war morgens um sechs, als ich den spangler anrief um ihn herzubestellen. er war wie immer wenn er nicht grillte extrem gelangweilt und schwang sich ins auto um auf der autobahn bei vollgas einem unvergesslichen grillausflug entgegen zu rasen.
wir kauften abgezählte fleischmengen, denn in dieser hinsicht waren wir vernünftig geworden, nahezu spießig rechneten wir eine überschaubare menge fleisch zusammen, damit nichts übrigblieb. diese neu erworbene vernunft trug schon beinahe langweilige züge. um diesen missstand wieder auszugleichen stiegen wir jedoch auf alkoholreichere biervarianten um. wir sind tatsächlich erwachsen geworden, endlich aßen wir weniger und tranken dafür umso mehr, wir haben dazu gelernt.
die sonne brannte, das aventinus war kühl und lecker und der grill lief auf hochtouren. es konnte nichts mehr schiefgehen. nachdem ersten bier wurde uns wieder einmal bewusst, dass ein bier grundsätzlich ausreichen würde, wenn nur die wirkung länger anhalten würde. denn selbst bei noch so gezieltem weitertrinken war es ein ding der unmöglickeit, diesen angenehmen pegel konstant aufrecht zu erhalten.
wir hatten genügend gegessen, kleine mengen fleisch, die dem magen noch luft für bier respektive rum lassen würden. und mit eben diesen getränken auf den rücken geschnallt machten wir uns auf den weg. da wir nach etwa einem viertel der wegstrecke an meiner wohnung vorbeikamen, wollte ich dort kurz nachdem rechten sehen. ich bewohnte derzeit ein zweitappartement für eine unbestimmte zeit und bin schon lange nicht mehr zu hause gewesen. als ich die wohnung betrat, sah ich, dass der anrufbeantworter mal wieder zu mir sprechen wollte. er immitierte gekonnt die stimme meiner ex freundin, die mich vor ihrem ex-ex vogel warnen wollte. ich verstand zwar den zusammenhang nicht, schrieb ihr jedoch eine mail zu ihrer beruhigung. ich musste hier dringend weg. im grunde wollte sie zwar mich durch ihre warnung beruhigen, aber das kapierte ich im augenblick sowieso nicht. da mein rechner stets beim hochfahren meinen instant-kommunikations-sklaven startet, sah ich, das lara online war. Ich weiß nicht mehr warum, aber ich fragte sie, ob sie mit in den wald kommen mag. vielleicht tat ich es, weil ich schon zu viel paulaner salvator getrunken hatte oder weil sie der einzige mensch weit und breit war, der uns bezüglich unseres vorhabens nicht den vogel zeigen würde. sie sagte zu. mir war speiübel. irgendwo hatte ich einmal gelesen, das es in dieser gegend urzeitlich riesenechsen mit ganz komischen angewohnten geben sollte. ich machte mir nichts aus dinosauriern.
ich rannte zum klo und kotzte beträchtliche mengen bier und fleischreste über meinen klodeckel. ich war zu langsam, ihn aufzuklappen, saubere sache, der nachmittag begann irgendwie perfekt. es war immer dassselbe. es musste ein höheres gesetz dafür geben, das mir das ausgerechnet dann passierte, als zum ersten mal eine aussenstehende person in unseren zweisamen club der waldgriller geladen wird. diese person auch noch weiblich ist und zu allem überfluss kurz nach ihrer ankunft bei mir auf die toilette musste…
wir machten uns mit einer gehörigen verspätung auf den weg in den wald, weil wir aus einem mir unbekannten grund viel zu lange auf meinem balkon rumgehangen haben. es wurde eine illustre wanderung, hammerwetter, hammerbänke, hammerbier.
spätestens als ich nach einbruch der dunkelheiterkeit in einer pause kurz vor unserem ziel meine kleidung im rucksack verstaute um den restlichen weg nackt anzutreten, wusste ich wieder, warum diese nächtlichen grillaktionen etwas heiliges haben. mich beschlich das gefühl, das die beiden anderen meinen neurotischen zwang mich vor dem grillen zu entkleiden nicht verstanden, mir war jedoch bewusst, das dem grillfleisch auf seinem letzten gang respekt entgegengebracht werden musste, schliesslich trugen die würstchen auch keine t-shirts oder gar unterhosen. ich wollte mich nicht über sie stellen. eines tages werde ich mich zur vervollkommnung der solidarität selbst grillen. ihr dürft mich dann essen.
auf unserer bank im wald angekommen hatte ich ein deja vu. es kam mir vor, als hätten wir diesen dunklen ort seit dem letzten waldgrillen vor vier wochen nicht verlassen. lara war sicher nur hinzugekommen um uns gesellschaft zu leisten. es kam mir vor, als hätten wir mit dem grillen der würstchen und deren verzehr unendliche stunden zugebracht, denn plötzlich war das bier alle und meine kippen auch, denn lara hatte in einem ihrer beliebten verpeilten momente den tabak verloren. als sie ihn jedoch auf dem rückweg spontan in einem sehr dunklen waldstück erahnte und zielsicher durch einmaliges bücken zurück in seinen besitz gelangte, konnte ich nur resektvoll schweigen.
kurz vor meiner wohnung hatte niemand mehr lust zu wandern. wir ließen uns (wie so oft in jener nacht) an einer bank nieder. es waren noch etwa 1000m bis zur schlafstätte, aber es ging nicht mehr. nach einer gefühlten ewigkeit jedoch zwang uns der bestialische gestank aus einem undefinierbaren gewässer zum aufbruch. zum glück gingen wir weiter, denn ich vermute, dass der gestank nur auf den brodem eines vorzeitlichen echsenwesens mit rasierklingen in den kiefern zurückzuführen war. wir hätten nicht mehr lange warten dürfen, die echse wäre dem morast entstiegen, sie hätte den gnoedelbram und mich zerrissen und unsere innereien verspeist. zum glück war ich nackt, denn solche monster werden verstärkt durch den anblick von textil angezogen. ist ja auch logisch, denn früher waren alle nackt, textilbehaftete zweibeiner sind ein fremder anblick für monster, das habe ich bereits früh erkannt. und lara als frau hatte besonders schlechte karten. auf meinen studienreisen in ecuador hatte ich beobachtet, wie solche wesen frauen verschlangen, sie in ihren innereien aufbewahrten und schwängerten. neun monate später war dann jedesmal die freude unter den echsen groß, denn sie gebahren merkwürdige zwitterwesen aus menschen und echsen. diese mischwesen wurden dann in käfigen gehalten und immer sonntags beim kaffeekränzchen hervorgeholt, die älteren unter den echsen amüsierten sich prächtig bei deren anblick, wenn sie einmal den blick von ihrem mensch-ärgere-dich-nicht-brett abwanden.
all das erzählte ich lara nicht, ich wollte ihr keine angst machen. ich nahm sie huckepack um sie schnell aus der gefahrenzone zu bringen. ich war ein echter held, wie ich 20 sekunden später feststellen musste, als ich mich nach einem sturz aufrappelte, lag lara drei meter weiter entfernt auf der straße. weitere zwanzig sekunden später konnten wir uns an den sturz nicht mehr erinnern. ich weiß auch nicht mehr, warum ich seit drei tagen kaum mehr schlafen kann, weil meine schulter höllisch schmerzt. laras schmerzen an knien, hüfte und rücken, die sie seit tagen dazu zwingen, wie der glöckner von notre dame durchs land zu schleichen, sind mir ein rätsel. ich weiß noch weniger, warum ich überhaupt eine geschichte aufschreiben kann an die ich mich selbst nicht mehr erinnern kann.

dem monster sind wir jedoch entkommen. dessen bin ich mir fast sicher...

Freitag, 4. September 2009

fuck off

fuck off

ich saß heute abend am meyerteich um zu lesen, ein tatsächlich recht spannendes buch. ich genoss die zwei bierchen, die ich auf dem weg dorthin am kiosk meines vertrauens käuflich erworben hatte. Mehr trank ich ohnehhin nie, es würde nur meine wahrnehmung stören. auf der wiese hinter meiner bank war eine familie anwesend, der klassiker: frau, mann, zwei kinder und ein hund, fast schon zuviel klischee für meinen geschmack. oder war ich nur neidisch? zyniker halten ihren mitmenschen ja oft nur den spiegel ihrer irrtümer ihres glaubens vor, damit sie ihren neid nicht zugeben müssen... die kinder spielten mit ihren ferngesteuerten flugzeugen, die fröhlich ihre runden zogen und geschmeidige loopings absolvierten. ich dachte daran, das der mensch vor noch gar nicht allzu langer zeit erst flügel bekommen und auch die luft zu seinem element gemacht hatte. und heute schon benutzen kinder diese ingenieurstechnische meisterleistung, um mit ihr zu spielen. war dies nicht sogar schon eine gefährliche entwicklung? In meinen augen schlimmer als „world of warcraft“. wurden menschliche meisterleistungen auf dem weg zum kinderspielzeug nicht geradezu degradiert? kaum war eine sache erfunden und schon war sie im wahrsten sinne des wortes ein kinderspiel... war das vielleicht der grund, warum wir unsere werte immer schneller verlieren? es verhielt sich ähnlich wie mit wasserbomben aus kondomen, mit denen kinder spielen, denn gummis platzen leichter als echte wasserbomben… der frauenarzt meiner ex konnte das gut bestätigen... einer emotionslosigkeit verhaftet, die derer den sich bewerfenden kindern in bezug auf ihre bomben in nichts nach stand… sex kommt dem krieg gleich, nähert sich immer weiter an und wird uns auf den mars katapultieren… unsere urenkel werden nicht verstehen, dass sie nicht mehr vögeln dürfen, weil es damals napalmbomben gab, zu denen im kino schon gesurft wurde. genuss mit tod und verderben zu verbinden, ja, das haben wir eine generation lang genossen, ohne die folgen für unsere kinder zu beachten. wagner hätte das nicht gewollt.
nach dem anderthalbten bier spürte ich, wie meine sensibilität in bezug auf solche gedanken immer mehr zunahm... und meine fähigkeit, alles zu verstehem im gleichen masse für aussenstehede abnahm, indem sie fr mich zunahm. ich konnte meine gedanken fast nicht mehr kontrollieren... ich hatte zu oft und viel zu viel einsam im leben ernsthaft gesoffen, die wechselwirkung mit meiner umgebung machte mir erst klar, wie schnell bier wirken kann... und mönche tranken 7,8% tiges bier während der fastenzeit, kein wunder, das sie an gott glaubten, ein absonderlicheres hirngespinst würde einem in deren zustand kaum noch einfallen können... ausser vielleicht noch extraterristische autos, die sich in sekunden bruchteilen in alles vernichtende roboter verwandeln können, mittlerweile glaube ich, die transformers wurden entweder von den mönchen erfunden oder es gibt sie wirklich und die mönche haben deswegen gebraut, um ihre minderwertige intelligenz gegenüber den maschinen zu verdauen. wo kamen doch gleich die aliens her? Naja, diese frage wird ridley scott ja hoffentlich in den nächsten zwanzig jahren beantworten, sonst muss ich mir was härteres überlegen als bier zu brauen…
doch am see spielte sich ein völlig irdisches problem ab: wurde in diesen kindern bei ihrem spiel vielleicht der wunsch geweckt, selbst einmal die ingenieurswissenschaften zu studieren um ihr spielzeug von damals mit ganz neuen augen sehen zu können? waren diese flugzeuge also doch nicht der abstumpfung sondern viel mehr zur erweckung des forscherdrangs in der lage? ich fand keine befriedigende antwort auf meine frage und las mein buch weiter, wenngleich mich der gedanke weiter verfolgte, ich werde heute mit ihm einschlafen müssen... die meisten menschen werden gar nichts erfinden und sich auch nicht an ihr kinderspielzeug erinnern. ich weiß schon, warum star wars roboter meine regale zieren, ich will nur mensch bleiben. Ich werde nichts erfinden. diese mischung der mehrheit ist es, die zu unsäglicher dummheit führt, wenn generäle plötzlich panzer und napalm als spielzeug benutzen. sie haben endgültig alle werte verloren… das militär nimmt eben keinen gesunden menschen… nur surfer…

kurze zeit später, als es dämmerte und ich den heimweg antreten wollte, verließ auch die himmlische familie die grüne wiese. sie gingen an mir vorbei und ich erhaschte ein paar wortfetzen vom vater, der mit seinem sohn über den morgigen schultag sprach. der vater wirkte sportlich, war gutaussehend und sicherlich mit einem gesunden einkommen gesegnet, kleidung und haltung sprachen eine deutlich sprache. er wirkte zu perfekt auf mich, ebenso seine frau. der sohn war fett. er würde bald die krankenversicherung in anspruch nehmen müssen. adipositas mit 15, das wird teuer. Geh laufen, du sau! warum erzählte ihm sein vater nix darüber? Scheiss auf mathe und deutsch. schenk ihm laufschuhe, du penner und keine fernsteuer-flieger, davon wird dein sohn auch nicht cooler. komisch, das ich ihn noch nicht im fernsehen in einem werbespot für eine "wir sind glücklich mit der bkk" gesehen hatte. zum glück hatte ich kein tv, denn diese art von werbung würde mich stets daran erinnern, wie oft ich schon mein konto für den reudigen beitrag überzogen hatte, obwohl ich mir gleichzeitig im klaren darüber war, das regelmäßiger bierkonsum für meine gesundheit verantwortlich war und ich ohnehin nie zum artzt ging. ich sollte meiner versicherung kündigen, fickt euch, aber nicht mit meinem geld in teuren bordellen, ihr halsabschneider!!! fickt euch!!!

im stillen fragte ich mich, wie es dieser mann hinbekam, eine familie zu ernähren, seine frau zu lieben und gleichzeitig derart gelassen zu wirken. vielleicht dachte er über all das gar nicht nach, ich hätte gerne mit ihm über meine beobachtungen gesprochen. vielleicht tat er auch nur so, als würde er es schaffen, das alles unter einen hut zu bringen. denn möglich ist es nicht. ich grüßte freundlich und wünschte ihnen im vorübergehen einen schönen abend. sie grüßten nur knapp zurück. tja, ich saß hier in t-shirt und tarnhosen mit zwei flaschen vom billigsten bier, was der kiosk zu bieten hatte. welches im übrigen ebenso teuer war, wie der feinste hopfenstoff aus dem biergroßmarkt, ich musste mal wieder den preis für mein mangelndes vorplanen zahlen. paderborner-export war sicher ungeeignet, sich als eine würdige person darzustellen. zumindest bei diesen leuten, die selbiges von mir dachten wie ich von ihnen. sie hielten mich gewiss für einen trunksüchtigen verlierer, der seine abende einsam auf einer parkbank verbringt und seine einzige zärtlichkeit darin besteht, eine flasche bier an die lippen zu führen. so ist es ja auch, aber ihnen ging es unter ihrer fassade gewiss nicht besser. in anwesenheit seiner kinder war ich ihm sicher ein dorn im auge. und ich ärgerte mich, das ich keinen grünen chaoten-joker-haarschnitt trug und diesem feinen erfolgstypen mit blutigen, angespitzen zähnen entgegengrinsen konnte... denn im stillen stellte ich mir längst vor, wie dieser geschniegelte typ heute nacht, wenn die kinder schliefen, seine frau schlug, denn auch er musste dem teufel ab und an guten tag sagen, so wie wir alle. Er würde sie schlagen, weil sie, der er vor dem altar ewige liebe geschworen hatte, vergessen hatte, ihm sein sonntagabendbier zu kaufen. wäre er nicht zu arrogant, mit mir zum kiosk zu gehen, mir noch ein paar flaschen von seinem unverschämt hohen einkommen zu spendieren, eines für seine frau und mit und ihr über das leben zu lachen und zu labern, müsste er heute nacht seine frau nicht schlagen, ich würde nicht wütend werden wegen ihm, weil er vielleicht doch ein netter kerl war mit ein bisschen glück und motivation, von der ich gerne etwas abbekommen hätte. und da er es sich in der öffentlichkeit nicht traute, mal fünfe gerade sein zu lassen und ein bier mit nem hippie zu trinken, musste es einen geben, der seinen angestauten freiheitsdrang ab bekommen würde. freiheitswunsch wird zum gewaltbedürfnis, das lernt man schon in der schuke und vor allem auf dem pausenhof. habt euch doch endlich lieb! aber ihr müsst euren lebensdrang ja in gewalt verwandeln. wer bot sich da besser an, als seine frau, denn von ihr würde es nie jemand erfahren, ein ring zum valentisntag würde ihre lippen schon verschließen... vor dem schlagring am tag danach… und sie war eh in seinen vier wänden eingesperrt, mit dem hochzeitsporzellan seiner eltern, den kurz vor weihnachten vom konsumterror versauten kindern ihren eltern mit schulversagen drohend den neuesten ray-irgendwas-player erpressten wünschen auflauernden gegnern von 8 jahren lenemszeitaber bestens informieten rechthabern gesegnet. stille nacht, heilige nacht! wie sollte sie ihm nicht dankbar sein, egal was er tat. das stockholmer-syndrom hatte einzug gefunden in unsere familien, die sich verdammt nochmal uneingeschränkt lieben sollten. plötzlich empfand ich wut und wäre ihm am liebsten hinterhergelaufen und hätte ihm meine leere bierflasche über den schädel gezogen, er hätte es verdient, dessen war ich mir sicher... vielleicht „meinte“ er es gut mit ihnen, aber er „tat“ es nicht. die verdammte drecksau, die ihre spießerfassade nur aufrecht erhielt, weil er angst hatte, einfach nur zu leben und den ansprüchen unserer künstlich erschaffenen, krebsgeschwürten gesellschaft nicht mehr zu genügen. für deinen abschätzigen blick in meine richtung pinkele ich dir auf dein grab. denn ich les den bronstein, du idiot, mehr wahrheit, als du es dir in deiner pervertierten welt vorzustellen vermagst.

ich blieb sitzen und freute mich über meine gedanken... meinen inneren reichtum an gedankenvielfalt wird er nie erleben, egal, wie gut es seinem konto geht. mit meinem ausgeschöpftem dispo käme er nie zurecht, weil es ihm an echtem wohlstand fehlte, nämlich dem, der von innen kommt. er weiß nicht, wie man in seinen gedanken ein paderborner zu einem aventinus werden lassen kann. zumindest dann, wenn mein bild von ihm der wahrheit entspricht... und im augenblick war ich davon überzeigt, dass ich recht hatte... wie so oft…

ich wollte nach hause gehen um mich zu betten. doch meine gedanken hielten mich wach. verdammt, ich hätte mir doch noch sechs bier mehr kaufen sollen, doch bei den kiosk-preisen war das für mich nicht drin. kurze zeit später wurde mir klar, das mein geldmangel einen vorteil für mich bot, nämlich den, das ich nun, nach drei bier in meiner sensibelsten stimmung (darum sollte ich nie mehr trinken) war und meine gedanken und gefühle über mich, das leben, die menschen, die liebe, kaum noch ertragen konnte. Ich befand mich im fight clubmit mir, meinem schlaf, der welt, der lieb, mit einfach allem. ich wollte schlafen, doch die gedanken waren das pure koffein in meinen adern. ich entstieg dem bett, ging zur bank, dann zum kiosk. der kioskbetreiber lachte (mich aus?), nahm meine eine leerflasche entgegen, gab mir zwei volle. Er bemerkte, dass ich vor einer stunde noch mit zwei leeren kam, dafür eine neue nahm. er prophezeite mir, dass ich in einer weiteren vergangenen stunde (scheisse, der mann hat mich durchschaut) ohne leergut kommen und drei neue nehmen würde. daraufhin erklärte ich ihm das mein übernächster gang dann für mich finanziell interessant werden würde. je mehr bier ich kaufte, umso mehr leergut würde er mir verrechnen müssen, mathematisch... hatte ich mal wieder recht. er stimmte ein, da er meine mathematische logik unterstützen wollte.

plötzlich wurde mir klar, warum ich so sehr dem masslosen trinken anhing... es war der einzige weg, meine gedanken auszuschalten, die mich wahnsinnig machten und nie enden wollten... doch ich hatte eben gerade einen neuen weg gefunden, dies zu ändern: ich sollte aufschreiben, was ich dachte, diese worte an jemanden richten, von dem ich ausging, das er/sie/es verstehen würde und schon ging es mir besser. wer von euch wird das wohl sein? Ist mir eigentlich auch scheissegal, denn wenn mein kiosk-betreiber sein wort hält, bekomme ich spätestens in acht stunden noch sechs euro zu meinen geforderten 17 flaschen dazu. dafür lohnt es sich zu trinken, prost!!!

Mittwoch, 2. September 2009

Kein korekter Vorgang

Die Gedanken fallen von Oben herab, tropfen wie Wasser von ihm ab und hinterlassen eine leere Hülle. Wie eine Marionette im Regen. Survivor betrachtet die Fäden an denen er hängt, wie sie sich spannen und lösen. Und schneidet sie durch. Entscheidet sich für den freien Willen und wirft als erste Entscheidung Bier gegen Aral und wenn man Aral rückwärts liest heißt das Lara und dann läuft er weg weil die Aushilfen ihn zur Rede stellen. Keine klassische flucht, die Wut, Kraft und ein festes Ziel beinhaltet. Es ist mehr ein stümperhaftes Davonjoggen verbunden mit dem Verlust von Integrität und Solidarität. Die Feige Sau lamentiert auch noch.
Hätte Swenja nicht angerufen, behauptet er, dann hätte er den Rechner nicht angeschaltet, dann wäre Lara nicht gekommen, dann hätte sie keine Plättchen gebraucht, dann wären wir nicht zu Aral und dann hätte ich nicht diesen miesen, kleinen, schmierigen Eindruck dass in ihm ein Feigling steckt, ohne Bild oder Ahnung der Größe dessen.
Wirklich eine miese Flucht. Freier Wille ist nicht jedermanns Sache weil man sich für seine Entscheidungen verantworten muss. Es ist wie ein winzig kleiner Stein im Schuh, viel zu gering um ihn zu entfernen, aber er ist da. Da werd ich schnell mal Agro.
Weil ich gesagt habe er soll sein Fahrrad runterholen. Soll mir der nicht mit Determinismus kommen. Zuck Ruck oder Arsch. Freier Wille, auch das mit der Schulter und Survivor wird behaupten das hebt sich alles auf und der Rest der Geschichte war ja auch gut. So gut das es keine Kommentierung benötigt und das ist ein durchaus ausreichendes Mass an gut. Und sicher kann Lara in ein brennendes Haus gehen um dort noch die Möbel umzustellen oder die eine oder andere Wurst zu Grillen. Möglicherweise wird sogar die Welt dadurch geringfügig besser, solange nur der Brandstifter nicht feige davontrabt sondern Mitlöscht.
Alder, Verantwortung für jede deiner Maßnahmen. Sonst werd ich fuchtig, dooaah.

Es gibt nur zwei schnurlose Dinge die mir Angst machen. Telefone und Marionetten.

Parfüm in der See unserer Nächte. Mann kennt das ja.

Freitag, 28. August 2009

Telefonat 2

„Häaah!“

„Ich hab’s, man. Mir ist einiges klar geworden.“

„Das Cantor’s Mengenlehre nur so’n Kommunistending war. Von wegen Schnittmenge.“

„Ne. Pass auf. Ich war eben in einer Kneipe. Da setzt sich dieser Typ neben mich, gibt mir ein Bier aus und fängt an mit seiner wüsten Theorie.“

“Man! Eben ist die Katze mit dem Kopf voll gegen die Klotür.“

„Absichtlich? Also der Typ erzählt mir was vonwegen er hätte da irgendwann dieses Gefühl entwickelt das er gar nicht wirklich existieren würde sondern nur als Gedanken von einer übergeordneten Existenz. Und das hätte ihn schier in den Wahnsinn getrieben. Also hatte er diese Idee das er nur etwas machen müsste das sich kein Mensch vorstellen könnte. Damit wäre dann bewiesen das er real existiert. Aber wie soll man etwas machen das niemand sich vorstellen kann. Wie? Er wurde da richtig hysterisch, sein Gesicht ganz dicht an meinem. Und wenn er sich etwas vorstellen könnte das er dann selbst machen sollte, aber nur in seiner Vorstellung, vielleicht wäre seine übergeordnete Existenz ja er selbst, dann würde er nur unmittelbar Existieren.“

„Unmittelbar Existieren?“

„Ja, man. Echt abgefahrener Typ. Fängt an mir zu erzählen das diese übergeordnete Existenz vielleicht, wenn nicht sogar wahrscheinlich, unendlich sein müsste. Und das er Mathematik und Philosophie studiert hätte.“

„Wie der Rach.“

„Genau das sag ich ihm auch. Da sagt er das hätte er auch recherchiert. Er hätte nämlich abends diese Sendung von dem eingeschaltet und plötzlich immer schon vorher gewusst was der den Leuten da von irgend so einer Entenbraterei empfiehlt. Das die nämlich wieder mehr Enten braten sollten und damit quasi ‚Back to the roots’ weil’s glaubhafter wäre. Das hätte der alles schon gewusst bevor der Rach das gesagt hätte.“

„Ich mag ja Ente nicht so.“

„Als kommt der Typ zu dem Schluss das der Rach seine übergeordnete Existenz wäre. Das war irgendwie so um das achte Bier rum. Und in dem Moment fängt auf dem Bildschirm über der Bar auf einmal, ohne Scheiß, die Sendung von dem Rach an. Also sag ich zu dem Barman er soll den Ton mal laut stellen. Da geht’s um eine Szenekneipe in Berlin wo keiner mehr hinwill. Und der Typ sagt das der Rach denen jetzt empfehlen wird die Küche sauber zu machen und die ganzen alten Möbel auszutauschen. Und, man, ohne Scheiß, das sagt der zwei Minuten später wirklich.“

„Achtes Bier was?“

„Also denkt der Typ er existiert nicht mal unmittelbar. Nein, er wäre eine Subexistenz vom Rach und ich natürlich auch. Und dann kommen so wirre Theorien. Der Rach und Jauch und Gottschalk und damals der Hansi Rosenthal das wären alles Über-Existenzen die sich quasi ihr Publikum selber ausdenken. Ich frage ihn ob der Bohlen da auch zugehören würde aber der wäre nur ein außer Kontrolle geratenes und fehlgeschlagenes Gedankenexperiment vom irren Elsner gewesen. Genauso wie die Landesbanken.“

„Wetten das? Wievieltes Bier?“

„Als ich dann irgendwann nach Hause schwanke denke ich noch mal über alles nach und da fallen mir so einige Merkwürdige Sachen auf.“

„Kann nich sein.“

„Ich in einer Kneipe? Alleine? Und dann läuft da ganz zufällig gerade die Sendung vom Rach. Hansi Rosenthal? Und weist du was er meinte zu wann diese Über-Ichse die totale Machtübernahme planen?“

„Dienstags?“

„Nein man, Neujahr!“

„Alles klar.“

„Is doch wohl ‚n bisschen viel zweideutigkeit oder. Das ja nicht nur ‚ne Zaunlatte, das ‚ne ganze Mauer voll übern Hinterkopf. Damit ich nämlich glaube das das ware Über-Ich, das Ich das wäre. Aber der Typ hat sich verraten.“

„Hier steht schon wieder ein fremder Typ in meiner Wohnung.“

„Ich bin auch nur ein Unter-Ich. Ich weiß auch von wem. Von diesem Nepomuk T. Spangler. Ich hab dir doch von dem erzählt."

„Ich frag mich wie der immer hier reinkommt. Ignoriert mich voll. Steht da und raucht.“

„Der Typ aus der Kneipe hat mir nämlich erzählt er wäre Feuerwehrmann. Feuerwehrman. Wie dieser Drache von Früher. Nepomuk. Ha!“

„Der hieß Grisu.“

„Quatsch. Wirklich? Muss ich überprüfen. Egal. Ich weiß wie ich uns aus der Nummer raushole. Der Typ hatte recht. Man muss nur etwas machen das niemand sich vorstellen kann. Aber nur bildlich. Verstehste? Mit Worten geht ja alles, aber bildlich hat Grenzen.“

„Hat’s?“

„Ja, erst dachte ich an so was wie sich selber aufessen aber das konnte ich mir dann doch vorstellen.“

„Uähh. Abartig.“

„Naja, so schlimm auch nicht.“

„Nein, der Typ hier in meinem Zimmer kackt gerade auf mein Bett.“

„Frag ihn nach seinem Namen. Stell dir einen Neundimensionalen Würfel vor.“

„Kann ich nicht.“

„Siehste! Das ist der weg.“

„Du kannst das?“

„Naja, noch nicht. Aber alter, man, das ist der Weg raus aus der Unter Existenz. Ich check jetzt diesen Spangler aus. Würde mich nicht wundern wenn der vorher schon weiß was ich denke.“

Donnerstag, 27. August 2009

Nicht Zielführend

Ich war immer der Meinung das es etwas individuell Allumfassendes geben müsse. Etwas das dich vollkommen ausfüllt, dir ein vollumfängliches Mass an Zufriedenheit gibt. Dauerhaft. Einen Sinn. Quasi das was man im halbvernebelten Alkoholrausch so bitterschmerzlich beinahe zu fassen bekommt. Immer nur beinahe.
Jeder muss doch ahnen das es sowas gibt.
Survivor rast im quasi vollvernebelt Alkoholrausch, betonung auf voll, an diesem 'Beinahe' vorbei richtung Zielführend. Ziel natürlich unbekannt. Dadurch wird der angestrebte Zustand allumfassenden Glückes zu einem Zwischending. Was ihn in der ganz persönlichen Situation von Survivor noch greifbarer und auch wahrscheinlicher wirken lässt. Das wiederum erscheint mir klischeehaft und abwegig wodurch ich schnell als sarkastisch und verbittert wirke.
Ein Trug. Ich habe genau die gleichen Sehnsüchte und Hoffnungen nur eine andere Emotionalität.
Kummulierend behalte ich mir die Vermutung vor, dass, verglichen mit einer altmodischen Kanone aus dem 14 Jahrhundert, deren Zielgenauigkeit erst durch mehrere Versuche bzgl. Anstellung der Steilheit ermittelt werden muss, meine Schüsse deutlich zu Kurz geraten, wohl aus Angst versehntlich das Ziel zu treffen/zerstören, während Survivor in einem Mix aus Raserei und Passivität immer wieder möglichst weit hinter oder vor das Ziel schiesst.
Der Unterschied liegt wohl in den Grauabstufungen die wir angeblich nicht in der Lage sind wahrzunehmen.
Metaphysisch gesehen.

Mittwoch, 26. August 2009

Telefonat

"Ähhh!"

„Spangler, die Tragik ist allumfassend. Das Ende streckt schon seine kahlen Finger nach mir. Streckt sich mit eisiger Entschlossenheit während meine Kräfte vollkommen aufgezehrt und matt zu Boden Fallen, gleich dem Herbstlaub.“

"...."

„Spangler? Bist du noch da?“

Wie war ich hierher gekommen. Soweit Abwärts. Weit hinter mir das Grollen der eisernen Räder und Achsen einer regionalen Bahn. Die harten Notsitzschalen zwischen den Waggons. Die Blätter am Walnussbaum vor meinem Fenster werfen tanzende Schatten. Ich bin eines dieser Blätter, eines das gerade zu Boden fällt.

„Du bist nicht real, du existierst nicht.“

Ein Gefühl das man in irgendeine Ecke stellt wie eine Zimmerpflanze der man kein Wasser mehr gibt.

„Aber wie soll das gehen? Spangler, man, du redest doch mit mir. Ich leide so sehr.“

„Leid ist nur die Art der Wahrnehmung eines Zustandes den wir nicht gewohnt sind. Ich kann dir nicht helfen. Du musst dir Zeit geben und wenn ich dich ablenke verzögert das nur die Effizienz der Anpassung. Und dein Leid, mein Freund, ist nur die Einbildung einer übergeordneten Person, die vielleicht", das betone ich dramatisch, "vielleicht, real existiert.“

"Spangler, man, zwei Frauen begehren mich ..."

"Hypothetisch, Ha." Und. "Vielleicht. Hättest du wohl gerne", denke ich, sage es aber nicht. Ich sage:

"Und du leidest, verstehe."

"Du weißt nicht, hast keine Vorstellung, wie schlimm das ist."

"Surviver, das Leben ist eine Hure. Eine wirklich üble Hure die dich nur Ficken will und am Ende, anstatt Geld zu verlangen, nimmt es sich einfach deine Seele."

"Seele Ficken? Wessen?"

"Deine Seele. Fick dir deine Seele raus alter!"

"Ja man. Seele rausficken. Aber mit welcher von den beiden?"

"Okay dann mach's mit mir. Ich steig jetzt in's Auto, bin gleich bei dir."

"Gott sei dank. Das hilft mir ungemein."

Ein Mann der Versucht mit seinem Körperfett das Universum auszufüllen.

Montag, 24. August 2009

Vollkommene Bestimmung

Es war, zu dieser Zeit, einfach modern das Hemd verkehrt herum zu tragen und nur den obersten Knopf zu schließen. Erinnerte uns an kalte und sterile Krankenhausflure.
Bres Jeen hatte beim Bowlen sein linkes Ei verloren und trug dieses nun in einem silbernen Zylinder um seinen Hals. Wer das Ei kontrolliert, kontrolliert Bres.
Zu dieser Zeit war das einfach so. Mit federndem Gang flanierten wir zu ausgewählten Disco Beats hell erleuchtete Wege hinab und die mit den dicksten Eiern hatten die meiste Kontrolle. Kontrolle über das Universum und den schimmernden Pfad aller Erleuchtungen. Bres nannten wir Wampi.
Wir dachten die Liebe, diese irre und wunderbare Liebe, würde uns durchströmen wie Elektrizität und wie Chemie. Diese beiden ungreifbaren Ideen aus denen im Ende alles wiederkehrt. Synapsen die elektrische Mikroladungen aussenden nur um damit chemische Botenstoffe, Eiweiße, zu erzeugen. Nichts anderes definiert das menschliche. Und trotzdem war es so ernüchternd als ich sein linkes Ei in meiner rechten Hand hielt.
Wie auch? Wie auch soll es Erfüllung bringen Bres zu kontrollieren? Jemand mit dem Gang einer Schwuchtel. Einer unglaublich fetten Wampe der Bier über alles Andere verherrlicht. Wozu? Im matten Licht eines zitternden und wabernden Mondes zerdrückt meine linke Hand sein rechtes Ei und auf einer metaphysischen Ebene ist das Bestimmung. Soviel Bestimmung wie das schamhaarkrause Fell hinter dem Ohr einer Katze.

Vollkommen Schwachsinnig.