das wetter hatte sich spontan dem grillen zugeneigt. es könnte das letzte mal in diesem sommer sein, wo man nachts um eins nackt würde im wald sitzen und würstchen essen können. es war morgens um sechs, als ich den spangler anrief um ihn herzubestellen. er war wie immer wenn er nicht grillte extrem gelangweilt und schwang sich ins auto um auf der autobahn bei vollgas einem unvergesslichen grillausflug entgegen zu rasen.
wir kauften abgezählte fleischmengen, denn in dieser hinsicht waren wir vernünftig geworden, nahezu spießig rechneten wir eine überschaubare menge fleisch zusammen, damit nichts übrigblieb. diese neu erworbene vernunft trug schon beinahe langweilige züge. um diesen missstand wieder auszugleichen stiegen wir jedoch auf alkoholreichere biervarianten um. wir sind tatsächlich erwachsen geworden, endlich aßen wir weniger und tranken dafür umso mehr, wir haben dazu gelernt.
die sonne brannte, das aventinus war kühl und lecker und der grill lief auf hochtouren. es konnte nichts mehr schiefgehen. nachdem ersten bier wurde uns wieder einmal bewusst, dass ein bier grundsätzlich ausreichen würde, wenn nur die wirkung länger anhalten würde. denn selbst bei noch so gezieltem weitertrinken war es ein ding der unmöglickeit, diesen angenehmen pegel konstant aufrecht zu erhalten.
wir hatten genügend gegessen, kleine mengen fleisch, die dem magen noch luft für bier respektive rum lassen würden. und mit eben diesen getränken auf den rücken geschnallt machten wir uns auf den weg. da wir nach etwa einem viertel der wegstrecke an meiner wohnung vorbeikamen, wollte ich dort kurz nachdem rechten sehen. ich bewohnte derzeit ein zweitappartement für eine unbestimmte zeit und bin schon lange nicht mehr zu hause gewesen. als ich die wohnung betrat, sah ich, dass der anrufbeantworter mal wieder zu mir sprechen wollte. er immitierte gekonnt die stimme meiner ex freundin, die mich vor ihrem ex-ex vogel warnen wollte. ich verstand zwar den zusammenhang nicht, schrieb ihr jedoch eine mail zu ihrer beruhigung. ich musste hier dringend weg. im grunde wollte sie zwar mich durch ihre warnung beruhigen, aber das kapierte ich im augenblick sowieso nicht. da mein rechner stets beim hochfahren meinen instant-kommunikations-sklaven startet, sah ich, das lara online war. Ich weiß nicht mehr warum, aber ich fragte sie, ob sie mit in den wald kommen mag. vielleicht tat ich es, weil ich schon zu viel paulaner salvator getrunken hatte oder weil sie der einzige mensch weit und breit war, der uns bezüglich unseres vorhabens nicht den vogel zeigen würde. sie sagte zu. mir war speiübel. irgendwo hatte ich einmal gelesen, das es in dieser gegend urzeitlich riesenechsen mit ganz komischen angewohnten geben sollte. ich machte mir nichts aus dinosauriern.
ich rannte zum klo und kotzte beträchtliche mengen bier und fleischreste über meinen klodeckel. ich war zu langsam, ihn aufzuklappen, saubere sache, der nachmittag begann irgendwie perfekt. es war immer dassselbe. es musste ein höheres gesetz dafür geben, das mir das ausgerechnet dann passierte, als zum ersten mal eine aussenstehende person in unseren zweisamen club der waldgriller geladen wird. diese person auch noch weiblich ist und zu allem überfluss kurz nach ihrer ankunft bei mir auf die toilette musste…
wir machten uns mit einer gehörigen verspätung auf den weg in den wald, weil wir aus einem mir unbekannten grund viel zu lange auf meinem balkon rumgehangen haben. es wurde eine illustre wanderung, hammerwetter, hammerbänke, hammerbier.
spätestens als ich nach einbruch der dunkelheiterkeit in einer pause kurz vor unserem ziel meine kleidung im rucksack verstaute um den restlichen weg nackt anzutreten, wusste ich wieder, warum diese nächtlichen grillaktionen etwas heiliges haben. mich beschlich das gefühl, das die beiden anderen meinen neurotischen zwang mich vor dem grillen zu entkleiden nicht verstanden, mir war jedoch bewusst, das dem grillfleisch auf seinem letzten gang respekt entgegengebracht werden musste, schliesslich trugen die würstchen auch keine t-shirts oder gar unterhosen. ich wollte mich nicht über sie stellen. eines tages werde ich mich zur vervollkommnung der solidarität selbst grillen. ihr dürft mich dann essen.
auf unserer bank im wald angekommen hatte ich ein deja vu. es kam mir vor, als hätten wir diesen dunklen ort seit dem letzten waldgrillen vor vier wochen nicht verlassen. lara war sicher nur hinzugekommen um uns gesellschaft zu leisten. es kam mir vor, als hätten wir mit dem grillen der würstchen und deren verzehr unendliche stunden zugebracht, denn plötzlich war das bier alle und meine kippen auch, denn lara hatte in einem ihrer beliebten verpeilten momente den tabak verloren. als sie ihn jedoch auf dem rückweg spontan in einem sehr dunklen waldstück erahnte und zielsicher durch einmaliges bücken zurück in seinen besitz gelangte, konnte ich nur resektvoll schweigen.
kurz vor meiner wohnung hatte niemand mehr lust zu wandern. wir ließen uns (wie so oft in jener nacht) an einer bank nieder. es waren noch etwa 1000m bis zur schlafstätte, aber es ging nicht mehr. nach einer gefühlten ewigkeit jedoch zwang uns der bestialische gestank aus einem undefinierbaren gewässer zum aufbruch. zum glück gingen wir weiter, denn ich vermute, dass der gestank nur auf den brodem eines vorzeitlichen echsenwesens mit rasierklingen in den kiefern zurückzuführen war. wir hätten nicht mehr lange warten dürfen, die echse wäre dem morast entstiegen, sie hätte den gnoedelbram und mich zerrissen und unsere innereien verspeist. zum glück war ich nackt, denn solche monster werden verstärkt durch den anblick von textil angezogen. ist ja auch logisch, denn früher waren alle nackt, textilbehaftete zweibeiner sind ein fremder anblick für monster, das habe ich bereits früh erkannt. und lara als frau hatte besonders schlechte karten. auf meinen studienreisen in ecuador hatte ich beobachtet, wie solche wesen frauen verschlangen, sie in ihren innereien aufbewahrten und schwängerten. neun monate später war dann jedesmal die freude unter den echsen groß, denn sie gebahren merkwürdige zwitterwesen aus menschen und echsen. diese mischwesen wurden dann in käfigen gehalten und immer sonntags beim kaffeekränzchen hervorgeholt, die älteren unter den echsen amüsierten sich prächtig bei deren anblick, wenn sie einmal den blick von ihrem mensch-ärgere-dich-nicht-brett abwanden.
all das erzählte ich lara nicht, ich wollte ihr keine angst machen. ich nahm sie huckepack um sie schnell aus der gefahrenzone zu bringen. ich war ein echter held, wie ich 20 sekunden später feststellen musste, als ich mich nach einem sturz aufrappelte, lag lara drei meter weiter entfernt auf der straße. weitere zwanzig sekunden später konnten wir uns an den sturz nicht mehr erinnern. ich weiß auch nicht mehr, warum ich seit drei tagen kaum mehr schlafen kann, weil meine schulter höllisch schmerzt. laras schmerzen an knien, hüfte und rücken, die sie seit tagen dazu zwingen, wie der glöckner von notre dame durchs land zu schleichen, sind mir ein rätsel. ich weiß noch weniger, warum ich überhaupt eine geschichte aufschreiben kann an die ich mich selbst nicht mehr erinnern kann.
dem monster sind wir jedoch entkommen. dessen bin ich mir fast sicher...
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