Samstag, 19. September 2009

IPod

Während er tief schlief ging sie leise in die Küche und nahm eines der Fleischmesser. Ihre Kollegin hatte aus versehen ihre Ipod’s verwechselt.
Er begann ihr Geschichten aus Büchern auf ihren Ipod zu sprechen. Geschichten von David Foster Wallace, von Jorge Luis Borges, von David Sedaris. Ohne ihr etwas zu sagen. Er stand spät in der Nacht auf, besprach ihren Player und wenn sie am nächsten Tag in der Bahn saß war da nur diese eine Geschichte die sie hören konnte. Es blieb ein wortloses Ritual. Nie sprach einer der beiden seine nächtlichen Aufnahmen an.
Später begann er die Geschichten selber zu erfinden. Nie länger als 30 Minuten, die Dauer von genau zwei Bahnfahrten, Hin und Zurück. Und nie sprach sie darüber. Im laufe der Zeit wurden seine Geschichten immer trauriger, immer persönlicher. Er begann sie indirekt zu kritisieren, später zu beschimpfen. Er wurde immer ausfallender, schlug mit Worten auf sie ein. Kein Wort aber von ihr.
Natürlich wusste er dass sie die Kopfhörer nur trug um nicht von fremden angesprochen zu werden, um nicht immer wieder und umständlich ihre Taubheit erklären zu müssen.
Und sie schnitt ihm die Halsschlagader durch. Als das Blut am nächsten Morgen geronnen auf dem Laken lag war da keine Geschichte mehr, nicht mal eine Erklärung, nur das leere Rauschen aus magnetischen Störungen und schon früh am Morgen hatte man das Gefühl die Sonne würde untergehen.

Weil jeder diese Scheiß Ipod's besitzt.

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